Ratgeber · Messkonzept

Überschusseinspeisung oder Kaskadenmessung — wir erklären beide Varianten verständlich und zeigen anhand eines Rechenbeispiels, wie Sie selbst ermitteln, welches Konzept sich für Ihr Gebäude lohnt.

Für Eigenheimbesitzer · Wärmepumpe & PV · Stand 28. November 2025

01Kaskadenmessung: separater Wärmepumpenzähler

Bei der Kaskadenmessung werden mehrere Zähler hintereinander geschaltet. Dadurch kann der Stromverbrauch der Wärmepumpe getrennt erfasst und über einen separaten, günstigeren Wärmestromtarif abgerechnet werden.

Schema der Kaskadenmessung für Wärmepumpe und Photovoltaik mit separatem Wärmepumpenzähler.
Schema: Kaskadenmessung mit separatem Wärmepumpenzähler

Zähler im Messkonzept Kaskade:

  • Z1: Hauptzähler (Bezug & Einspeisung)
  • Z2: Zähler nur für die Wärmepumpe
  • Z3: optionaler Einspeisezähler der PV-Anlage
Kaskadenmessung Bewertung
Günstiger Wärmepumpentarif möglich Vorteil
Getrennte Bilanzierung aller Energieflüsse Vorteil
Sinnvoll bei sehr hohem Wärmepumpenverbrauch Vorteil
Zusätzliche Zählermiete Nachteil
Teilweise größerer Zählerschrank nötig Nachteil
Höhere Installationskosten, komplexeres Konzept Nachteil

02Überschusseinspeisung: das einfache Standardkonzept

Die Überschusseinspeisung ist das einfachste und in der Praxis am häufigsten eingesetzte Messkonzept. Hier wird kein zusätzlicher Wärmepumpenzähler benötigt. Alle Verbraucher — inklusive Wärmepumpe — laufen über den Haushaltsstromzähler.

Schema des Messkonzepts Überschusseinspeisung für Photovoltaik und Wärmepumpe mit einem gemeinsamen Zähler.
Schema: Überschusseinspeisung mit gemeinsamem Zähler

Zähler im Messkonzept Überschuss:

  • Z1: Zähler für Bezug & Einspeisung
  • Z2: optionaler PV-Erzeugungszähler

Keine Zählermiete, wartungsarm, ideal für die meisten Privathaushalte — nur eben ohne separaten Wärmepumpentarif.

03Rechenbeispiel: Lohnt sich die Kaskadenmessung?

Damit Sie selbst einschätzen können, ob sich die Kaskadenmessung wirtschaftlich lohnt, nutzen Sie dieses einfache Berechnungsschema.

Beispielannahmen

  • Haushaltsstrom: 0,35 €/kWh
  • Wärmepumpentarif: 0,28 €/kWh
  • Jahresverbrauch Wärmepumpe: 5.000 kWh
  • Zusatzkosten für Zähler & Zählerschrank: Zählermiete 120 €/Jahr + Schrankmehrkosten 400 € (auf 10 Jahre = 40 €/Jahr) = 160 €/Jahr gesamt

Schritt 1: Ersparnis durch günstigeren Tarif

0,35 € − 0,28 € = 0,07 €/kWh Differenz
0,07 € × 5.000 kWh = 350 € Ersparnis pro Jahr

Schritt 2: Zusätzliche Kosten abziehen

350 € − 160 € = 190 € Vorteil pro Jahr

Bei 5.000 kWh Wärmepumpenverbrauch lohnt sich die Kaskadenmessung: 190 € Vorteil pro Jahr.

Wann lohnt sie sich nicht?

Bei nur 2.000 kWh Jahresverbrauch: 0,07 € × 2.000 kWh = 140 € Ersparnis, davon 160 € Zählerkosten abgezogen = −20 € Verlust. Auch wenn die Preisdifferenz geringer ist, lohnt sich die Kaskadenmessung dann nicht.

Bei geringem Verbrauch ist die Überschusseinspeisung günstiger und sinnvoller.

04So berechnen Sie es selbst

Sie benötigen lediglich:

  1. Jahresverbrauch Ihrer Wärmepumpe
  2. Preis Haushaltsstrom
  3. Preis Wärmepumpenstrom
  4. Jährliche Kosten des zusätzlichen Zählers
Die Faustregel im Überblick

Wenn Ersparnis > Zählerkosten → Kaskadenmessung kann sich lohnen.
Wenn Ersparnis ≤ Zählerkosten → Überschusseinspeisung ist die bessere Lösung.

05Hinweis für Kundinnen und Kunden in Rüsselsheim

Im Netzgebiet der Stadtwerke Rüsselsheim wird die Kaskadenmessung aktuell nicht angeboten. Hier ist die Überschusseinspeisung automatisch das Standard-Messkonzept — und für die meisten Haushalte absolut sinnvoll.

06Fazit

Für die überwiegende Mehrheit der Haushalte ist die Überschusseinspeisung die wirtschaftlichste, einfachste und wartungsärmste Lösung. Die Kaskadenmessung kann sich lohnen, wenn:

  • ein sehr günstiger Wärmepumpentarif verfügbar ist
  • ein hoher Stromverbrauch der Wärmepumpe vorliegt
  • die Zählerkosten moderat sind

Welches Konzept passt zu Ihrem Gebäude?

Gerne beraten wir Sie individuell, welches Messkonzept für Ihre Immobilie, Ihren Tarif und Ihr Netzgebiet optimal geeignet ist.

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