Ratgeber · Messkonzept
Überschusseinspeisung oder Kaskadenmessung — wir erklären beide Varianten verständlich und zeigen anhand eines Rechenbeispiels, wie Sie selbst ermitteln, welches Konzept sich für Ihr Gebäude lohnt.
01Kaskadenmessung: separater Wärmepumpenzähler
Bei der Kaskadenmessung werden mehrere Zähler hintereinander geschaltet. Dadurch kann der Stromverbrauch der Wärmepumpe getrennt erfasst und über einen separaten, günstigeren Wärmestromtarif abgerechnet werden.

Zähler im Messkonzept Kaskade:
- Z1: Hauptzähler (Bezug & Einspeisung)
- Z2: Zähler nur für die Wärmepumpe
- Z3: optionaler Einspeisezähler der PV-Anlage
| Kaskadenmessung | Bewertung |
|---|---|
| Günstiger Wärmepumpentarif möglich | Vorteil |
| Getrennte Bilanzierung aller Energieflüsse | Vorteil |
| Sinnvoll bei sehr hohem Wärmepumpenverbrauch | Vorteil |
| Zusätzliche Zählermiete | Nachteil |
| Teilweise größerer Zählerschrank nötig | Nachteil |
| Höhere Installationskosten, komplexeres Konzept | Nachteil |
02Überschusseinspeisung: das einfache Standardkonzept
Die Überschusseinspeisung ist das einfachste und in der Praxis am häufigsten eingesetzte Messkonzept. Hier wird kein zusätzlicher Wärmepumpenzähler benötigt. Alle Verbraucher — inklusive Wärmepumpe — laufen über den Haushaltsstromzähler.

Zähler im Messkonzept Überschuss:
- Z1: Zähler für Bezug & Einspeisung
- Z2: optionaler PV-Erzeugungszähler
Keine Zählermiete, wartungsarm, ideal für die meisten Privathaushalte — nur eben ohne separaten Wärmepumpentarif.
03Rechenbeispiel: Lohnt sich die Kaskadenmessung?
Damit Sie selbst einschätzen können, ob sich die Kaskadenmessung wirtschaftlich lohnt, nutzen Sie dieses einfache Berechnungsschema.
Beispielannahmen
- Haushaltsstrom: 0,35 €/kWh
- Wärmepumpentarif: 0,28 €/kWh
- Jahresverbrauch Wärmepumpe: 5.000 kWh
- Zusatzkosten für Zähler & Zählerschrank: Zählermiete 120 €/Jahr + Schrankmehrkosten 400 € (auf 10 Jahre = 40 €/Jahr) = 160 €/Jahr gesamt
Schritt 1: Ersparnis durch günstigeren Tarif
0,35 € − 0,28 € = 0,07 €/kWh Differenz
0,07 € × 5.000 kWh = 350 € Ersparnis pro Jahr
Schritt 2: Zusätzliche Kosten abziehen
350 € − 160 € = 190 € Vorteil pro Jahr
Bei 5.000 kWh Wärmepumpenverbrauch lohnt sich die Kaskadenmessung: 190 € Vorteil pro Jahr.
Wann lohnt sie sich nicht?
Bei nur 2.000 kWh Jahresverbrauch: 0,07 € × 2.000 kWh = 140 € Ersparnis, davon 160 € Zählerkosten abgezogen = −20 € Verlust. Auch wenn die Preisdifferenz geringer ist, lohnt sich die Kaskadenmessung dann nicht.
Bei geringem Verbrauch ist die Überschusseinspeisung günstiger und sinnvoller.
04So berechnen Sie es selbst
Sie benötigen lediglich:
- Jahresverbrauch Ihrer Wärmepumpe
- Preis Haushaltsstrom
- Preis Wärmepumpenstrom
- Jährliche Kosten des zusätzlichen Zählers
Die Faustregel im Überblick
Wenn Ersparnis > Zählerkosten → Kaskadenmessung kann sich lohnen.
Wenn Ersparnis ≤ Zählerkosten → Überschusseinspeisung ist die bessere Lösung.
05Hinweis für Kundinnen und Kunden in Rüsselsheim
Im Netzgebiet der Stadtwerke Rüsselsheim wird die Kaskadenmessung aktuell nicht angeboten. Hier ist die Überschusseinspeisung automatisch das Standard-Messkonzept — und für die meisten Haushalte absolut sinnvoll.
06Fazit
Für die überwiegende Mehrheit der Haushalte ist die Überschusseinspeisung die wirtschaftlichste, einfachste und wartungsärmste Lösung. Die Kaskadenmessung kann sich lohnen, wenn:
- ein sehr günstiger Wärmepumpentarif verfügbar ist
- ein hoher Stromverbrauch der Wärmepumpe vorliegt
- die Zählerkosten moderat sind
Welches Konzept passt zu Ihrem Gebäude?
Gerne beraten wir Sie individuell, welches Messkonzept für Ihre Immobilie, Ihren Tarif und Ihr Netzgebiet optimal geeignet ist.
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